Körperhygiene und Industrie

 

Körperhygiene und Industrie

oder das Experiment „mit Haut und Haaren“ ein Körpergefühl zu entwickeln

Wer denkt schon darüber nach, dass die Normen der Gesellschaft wie „sauber“ etwas sein muss und natürlich hier auch die Industrie und deren Produkte uns abgewöhnt haben, die Signale des Körpers wahr zu nehmen? Wir reduzieren Körperpflege auf "Kosmetik" und gutes Aussehen, dabei ist ja die Haut zum Beispiel ein durchlässiges Körperorgan mit Funktionen, Schweißbildung und noch viel viel mehr.

Die Haare zähle ich dazu, weil sie aus der Haut raus kommen. Wusstest du dass die kleinen Härchen auf der Haut unten sogar einen Muskel haben (den musculus arrector pili - ich verlinke weiter unten in den Kommentaren). Der richtet die Haare auf. Durch den erst kriegen wir sichtbar eine "Gänsehaut" und in der Kampf-Flucht-Reaktion (das ist was komplett archaisches bei Gefahrensituationen) spielt der glaube ich eine große Rolle. Er richtet die Haare auf und lässt uns dann „bedrohlicher“ wirken. Schon so ein bisschen wie bei Katzen, wenn die die Haare sträuben ;) O.k. Nicht ganz so extrem aber im Ansatz so ähnlich gedacht. Natürlich aber, oje, diese Funktion brauchen wir in der modernen Welt nicht mehr und oft rasieren wir uns die Körperbehaarung auf Grund moderner Normen sowieso ab.

Das sind Funktionen, die so spannend sind und wer von uns kennt die schon noch? Viele Krankheitssymptome kann man auch zuerst an der Haut erkennen (die ja quasi unser Schutzschild zur Umwelt ist) noch bevor die Krankheit schlimmer wird. Natürlich nur, wenn man es eben nicht verlernt hat oder übertüncht, weil man glaubt das wäre "unsauber" dabei ist das nur ein natürliches Zeichen des Körpers, auf das man hören kann.

Natürlich, wenn ich Staub auf der Haut habe oder mich irgendwo im Schlamm suhle, dann kommt das von außen, dann ist das Schmutz und zuviel Schweiß fühlt sich unangenehm an, weil es Bakterien nährt (die Bakterien in Verbindung mit dem Schweiß riechen, tatsächlich riecht der Schweiß glaube ich gar nicht mal so schlimm). Also Hygiene ist ja schon gut und wichtig, nur denke ich dass wir das gesunde Maß oft nicht mehr kennen. Und so kennen wir nicht mehr die Körpersignale, die oft so wertvoll sind und und schon früh zeigen wo wir was falsch machen oder einfach nur, wie Natur funktioniert. So unterdrücken wir auch natürliche Reinigungsprozessse, die der Körper von ganz alleine hinbekommen kann. So reagiert die Haut z.B. auf ungute Ernährung, auf Mangelbewegung aber auch auf psychischen Stress – wenn uns etwas sprichwörtlich unter die Haut geht). Wir KÖNNTEN diese Signale wieder beachten (falls wir erkennen, dass sie nützlich sind, aber dafür müssen wir uns von industriellen Produkten oft entwöhnen und jede Entwöhnung ist erst mal "örks" geballt mit einer großen Angst womöglich noch, dass wir nach außen hin auf andere unsauber wirken könnten).

Gut zu wissen vielleicht auch, dass viele dieser industriellen Hygieneprodukte tatsächlich mit sehr „unsauberen“ Mitteln arbeiten, um uns „sauber“ fühlen zu lassen. So legen Shampoos uns eine Silikonschicht über die Haare, die uns sauberer fühlen lässt oder Deos enthalten Aluminium, der den Schweiß unterdrückt um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen. Ganz zu schweigen von den vielen künstlichen Aroma- und Duftstoffen (die uns nebenbei abgewöhnen, wie der menschliche Körper natürlich riecht).

Ich bringe mal ein paar Beispiele aus meinem eigenen Leben. Seit ein paar Jahren schon liebe ich es persönlich „Experimente“ zu machen und versuche zurück zur Natur zu kommen und lerne so ganz neues kennen, was mir vorher total verborgen blieb.

Also wer weiß, dass die Haare, wenn man sie nur mit Wasser wäscht und mit einer Naturhaarbürste bürstete (also Tierborsten, sorry Veganer aber wenigstens kein Plastik), ein natürliches Talg absondern, das sich über die Haare wie ein Schutzfilm legt? Und ja, das fühlt sich zu Beginn höchst seltsam an, das zu fühlen. Völlig unbekannt. Da fühlen sich die Haare dann plötzlich eher wie Tierfell an, was sie im Grunde genommen eigentlich auch sind. Es gibt inzwischen übrigens eine ganze no-poo-Bewegung (no-poo bedeutet hier ohne Shampoo näheres über Suchmaschinen zu finden). Oder wer weiß, dass der Schweiß während des Zyklus einer Frau unterschiedlich riecht (also bei mir ist das so, ich denke das ist bei anderen Frauen auch so), unterschiedlich stark ist und tatsächlich ankündigen kann wann es bald wieder soweit ist?

Wer weiß, dass die Menstruation in den häufigsten Fällen überhaupt nicht mehr weh tun muss, wenn man keine industriellen Tampons und Binden mehr nutzt (Alternative wäre waschbare genähte Binden und zum Beispiel Silikon-Tassen). Seit ich da umgestiegen bin hab ich auch erfahren, dass viele Krämpfe tatsächlich durch die Gifte und Zusatzstoffe ausgelöst werden, die in den Industrie-Produkten stecken und gar nicht vom Körper selbst kommen, der sich da nur „wehrt“. (Tests haben auch herausgefunden, dass in Binden tatsächlich ganz viele Spritzgifte sind, die wohl von den Baumwollfeldern dort drin sind).

Wer kennt noch wie ich den Unterschied zu einer Kleiderwäsche und einem Hausputz mit Efeusud oder Kastaniensud statt mit chemischen Reinigern? Seit ich DAS umgestellt habe, oh Wunder juckt mich meine Haut viel weniger. Und krass merke ich den Unterschied, wenn mir jemand ein Kleidungsstück schenkt, das mit Weichspüler behandelt wurde. Das empfinde ich inzwischen (entwöhnt wie ich bin) als so unnatürlich stinkend, dass ich es oft tatsächlich erst mal gründlich waschen muss (ohne Industrie-Mittel), bis ich den Geruch ertragen kann.

Fazit für mich: es ist wahrlich ein sehr spannender Trip für mich, das Experiment „mit Haut und Haaren“ ein Körpergefühl zu entwickeln.

Wie immer freue ich mich auch auf Eure Berichte und Erkenntnisse. Vielleicht kennt ihr ja etwas, was ich persönlich noch gar nicht ausprobiert habe. <3